Kompensation von Gefühlen

Gewalt ist somit nie ein Zeichen von Stärke, sondern dient der Kompensation von Emotionen, die mit der Konnotation von Schwäche assoziiert werden.

Durch das Ausüben von Gewalthandlungen kompensieren Gewalttätige ihre Gefühle wie beispielsweise :

  • Einsamkeit,
  • sich „unterlegen“ fühlen,
  • Hilflosigkeit,
  • Ohnmacht oder
  • Verzweiflung.

Die Gewalttaten dienen dazu, das Erleben dieser Emotionen abzuwehren.

Wer schlägt oder anderweitig gewalttätig ist, „kann“ sicher nicht hilflos sein.
Er oder sie ist ja aktiv, handelt und ist wieder „autonom“. Die eigentlich „hilflosen“ Emotionen treten vor und während der Tat in den Hintergrund und werden nicht wahrgenommen. Insofern geht Gewalt stets einher mit einer Gefühlsabwehr, und ist somit keinesfalls „ein Streben nach Macht oder Überlegenheit“, wie es häufig angenommen wird.

Derartige Annahmen entstehen, wenn man Gewalt aus der Opferperspektive heraus betrachtet.

Opfer sind hilflos, also wird vermutet, dass Täter/innen die gegenteiligen Emotionen hätten.

Betrachtet man Gewalt jedoch aus der Täter(innen)-Perspektive, so lässt sich genau die Abwehrdynamik erkennen, die jeder Gewalttat zugrunde liegt. Der Täterin, dem Täter geht es nach der Gewalttat „besser als vorher“. Keineswegs fühlen sie oder er sich jedoch „mächtig“.